Veröffentlicht am 2019-08-30 · von Martin Brocker · Alle Artikel

Mein erstes Jahr als veganer Wettkampf-Athlet

Es war 2016, und ich war schon eine Weile am Trainieren. Nicht faul, aber auch nicht besonders strukturiert. Ich hatte das Bild im Kopf, das die meisten haben: Hühnchen, Magerquark, Thunfisch aus der Dose. Alles im Zehn-Minuten-Takt, weil man ja angeblich alle drei Stunden essen musste. Ich war fit, aber nicht zufrieden – weder mit dem Körper noch mit dem, was ich da aß.

Die Entscheidung, vegan zu werden, kam nicht aus dem Nichts. Ein Dokumentarfilm, ein Buch, ein längeres Gespräch mit einem Freund – und dann die Entscheidung: Ich probiere es sechs Monate. Nicht als Statement, sondern um zu sehen was passiert. Was passierte, hat mich tatsächlich überrascht.

Die ersten drei Monate: Chaos und Erkenntnis

Ich habe in den ersten Wochen zu wenig gegessen. Viel zu wenig. Ich dachte, ich esse viel – ein riesiger Salat, Gemüse, Hülsenfrüchte. Aber kalorisch war das weit unter meinem Erhaltungsbedarf, geschweige denn einem Überschuss für Muskelaufbau. Die Waage zeigte minus, die Kraft ging leicht zurück, die Energie war nicht besonders. Ich hätte fast aufgehört.

Was mich gerettet hat: Ich habe angefangen zu tracken. Cronometer, jede Mahlzeit, zwei Wochen lang. Das Ergebnis war ernüchternd: Ich lag täglich 600–800 kcal unter meinem Bedarf. Ich habe dann systematisch kalorienreiche vegane Lebensmittel eingebaut – Nussmus, Avocado, mehr Hülsenfrüchte, mehr Haferflocken, Nüsse als ständiger Snack. Nach zwei Wochen war der Energie-Level deutlich besser, nach einem Monat waren die Kraftwerte wieder oben.

Der erste Wettkampf: Was ich mitgenommen habe

2017 habe ich das erste Mal auf einem lokalen Fitness-Event teilgenommen. Nicht um zu gewinnen, sondern um zu sehen wie vegan auf der Bühne steht. Die Vorbereitung war intensiv – eine 12-wöchige Definitionsphase mit sehr kontrollierter Ernährung und erhöhtem Trainingsvolumen. Auf pflanzlicher Basis ist das herausfordernd, weil man bei reduzierter Kalorienzufuhr gleichzeitig darauf achten muss, ausreichend Protein, B12, Eisen und alle anderen Mikronährstoffe zu sich zu nehmen.

Was mich überrascht hat: Die Regeneration in der Definitionsphase war besser als erwartet. Ich habe weniger Gelenkschmerzen gehabt als in früheren Phasen mit tierischer Ernährung. Das liegt wahrscheinlich an der entzündungshemmenden Wirkung pflanzlicher Ernährung – das klingt nach Wellness-Blog, aber es hat sich im Training klar gezeigt.

Was ich anders machen würde

Ich würde früher anfangen zu tracken – nicht nur Protein, sondern Kalorien insgesamt. Ich würde Kreatin von Anfang an supplementieren, statt erst nach dem ersten Jahr. Und ich würde weniger auf die Meinung anderer hören, die mir sagten „Vegan funktioniert nicht für Wettkampf". Es funktioniert. Es erfordert mehr Planung als eine omivore Wettkampfdiät – aber der Unterschied ist kleiner als sein Ruf.

Zwischen 2016 und 2019 habe ich drei Wettkämpfe absolviert, zweimal Podiumsplätze eingeholt und dabei gelernt, dass Leistung und ethische Überzeugung sich nicht ausschließen. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis. Nicht aus Selbstbeweihräucherung – sondern weil sie vielen anderen Menschen zeigt, dass es geht.

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